Eine Solaranlage auf dem Dach verändert neben der Stromrechnung auch das gesamte Verbrauchsverhalten eines Haushalts grundlegend. Bei der Planung einer Photovoltaikanlage wird der eigene Stromverbrauch schnell bewusster wahrgenommen. Auf einmal wird wichtig, wann die Waschmaschine läuft, wann das Elektroauto lädt und wie viel Strom ins Netz eingespeist wird. Der Wechsel von einem rein konsumierenden zu einem teilweise produzierenden Haushalt, in dem Strom nicht mehr nur aus dem Netz bezogen, sondern auch selbst erzeugt und gezielt genutzt wird, bringt zwangsläufig neue Gewohnheiten mit sich, die den gesamten Tagesablauf und die Art, wie Energie im Alltag verbraucht wird, spürbar verändern. Dieser Ratgeber beleuchtet konkret, welche Veränderungen im Alltag zu erwarten sind, wie sich der Eigenverbrauch steigern lässt und warum die richtige Speicherdimensionierung dabei eine Schlüsselrolle einnimmt.Ohne Speicher wird jeder nicht sofort verbrauchte Strom automatisch ins öffentliche Netz eingespeist. Dafür erhalten Sie die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung, die derzeit bei etwa 8 Cent pro Kilowattstunde liegt. Das liegt deutlich unter dem Preis für bezogenen Netzstrom von 30-40 Cent pro kWh. An sonnigen Sommertagen kann eine typische Anlage 40-50 kWh produzieren, von denen ohne Speicher oft 60-70 Prozent ins Netz fließen.
Die größten Stromfresser im Haushalt sind Wärmepumpe, Durchlauferhitzer, Elektroherd und Wäschetrockner. Bei flexiblen Geräten wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder Poolpumpe lohnt sich die zeitliche Verlagerung besonders. Ein Wäschetrockner verbraucht pro Durchgang etwa 3-4 kWh, die bei Sonnenschein komplett kostenlos aus eigener Produktion gedeckt werden können. Geräte mit hohem Standby-Verbrauch wie alte Kühlschränke sollten gegen energieeffiziente Modelle getauscht werden.
Bei den aktuellen Strompreisen liegt die Amortisationszeit für eine Standardanlage zwischen 8 und 12 Jahren. Entscheidend ist dabei das Verhältnis zwischen Investitionskosten und jährlicher Ersparnis durch vermiedenen Netzbezug. Steigen die Strompreise weiter um 3-5 Prozent jährlich, verkürzt sich die Amortisationszeit entsprechend. Mit Speicher verlängert sich die Rechnung um 2-4 Jahre, dafür erhöht sich der Autarkiegrad von 30-35 auf 60-70 Prozent. Förderungen und günstige Finanzierungen können die Wirtschaftlichkeit zusätzlich verbessern.
Viele Anlagenbetreiber überschätzen ihren tatsächlichen Eigenverbrauch in den ersten Monaten und vergessen, ihr Nutzungsverhalten anzupassen. Ein klassischer Fehler ist das nächtliche Laden des E-Autos ohne Speicher, wodurch teurer Netzstrom bezogen wird statt tagsüber die kostenlose Sonnenenergie zu nutzen. Auch die Vernachlässigung der Anlagenüberwachung führt dazu, dass Ertragseinbußen durch Verschmutzung oder technische Defekte wochenlang unbemerkt bleiben. Zudem unterschätzen viele den Wintereffekt - von November bis Februar liefern Module in Deutschland nur 15-20 Prozent der Sommerleistung.
Die optimale Speichergröße hängt vom individuellen Verbrauchsprofil und der Anlagengröße ab. Wer seinen Eigenverbrauch über die Mittagsstunden hinaus steigern möchte, sollte die passende Größe für seinen Stromspeicher finden. Bei MVV Energie AG erhalten Sie eine Berechnung, die Ihre tatsächlichen Lastspitzen am Morgen und Abend berücksichtigt. Ein zu klein dimensionierter Speicher verschenkt Autarkiepotenzial, ein zu großer rechnet sich wirtschaftlich oft nicht.