Wer heute an Bäderarchitektur, Seebrücken und Sommerfrische denkt, streift unwillkürlich auch eine Tradition, die im 19. Jahrhundert an nahezu jedem großen Ostsee-Kurort zuhause war, nämlich das Glücksspiel.
Spielsäle und Kursäle gehörten zum mondänen Kurleben, also an Orte, an denen die feine Gesellschaft nach dem Strandspaziergang Konversation, Musik und Roulette pflegte.
Doch die Blüte währte nicht ununterbrochen. Ein preußisch-deutscher Kurswechsel machte dem offenen Spielbetrieb ein Ende. Der Norddeutsche Bund ordnete am 1. Juli 1868 die Schließung und Beschränkung öffentlicher Spielbanken an, nach der Reichsgründung mussten bis Ende 1872 alle Spielbanken im gesamten Reich schließen.
Erst 1933 wurden Spielbanken in Deutschland wieder zugelassen, seitdem gibt es hierzulande 91 lizenzierte Spielbanken verteilt auf 73 Städte, fünf davon in Schleswig-Holstein.
An der westlichen Ostseeküste prägte Travemünde über Generationen den Mythos der Seebad-Spielbank. Das historische Haus am Strand, ursprünglich Conversationshaus und später Kursaal, war jahrzehntelang ein Magnet für Kurgäste.
2012 schloss das traditionsreiche Casino in Travemünde endgültig und zog nach Lübeck um, heute firmiert der Standort als Casino Lübeck und gehört, wie Kiel, Flensburg und Schenefeld, zur Spielbank Schleswig-Holstein GmbH.
Kiel selbst feierte 2023 sein 25-jähriges Bestehen. Das Casino am Bootshafen öffnete 1998 und hat sich seitdem als urbaner Treffpunkt mit klassischem Spiel und Automatensaal etabliert. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Küsten-Spielbanken heute als City-Lounge mit Bar-Konzept ins Nachtleben einfügen.
Auch Flensburg, direkt an der Förde und damit ebenfalls „echte Ostsee“, zählt zu den aktiven Häusern, denn das Casino Flensburg wird wie Kiel und Lübeck vom Landesbetreiber geführt.
Für Ostsee-Reisende bedeutet das, westlich der Lübecker Bucht existiert eine stabile, modernisierte Spielbanklandschaft, in der klassische Tische, Pokerformate und moderne Automaten gemeinsam auftreten.
Diese Spielbanken sind genauso für Deutsche empfehlenswert wie die modernen Online Casinos, auf die man auch direkt aus dem Strandkorb zugreifen kann.
Östlich der Lübecker Bucht verlief die Entwicklung weitaus wechselhafter. Auf Rügen eröffnete am 29. September 2006 erstmals eine Spielbank, nämlich in Binz, zunächst als Automatencasino.
Ab Juni 2010 war dort auch das „Große Spiel“ mit Roulette, Black Jack und Poker erlaubt, und es gab konkrete Pläne, in zentralere Flächen des Loev-Hotels umzuziehen.
Parallel betrieben die „Ostsee-Spielbanken“ weitere Standorte in Stralsund und im Kaiserbad Heringsdorf auf Usedom. Wirtschaftliche Schwierigkeiten setzten dem Modell jedoch zu, denn 2013/2014 wurden die Häuser in Mecklenburg-Vorpommern, darunter Heringsdorf, Binz und Stralsund, geschlossen.
Zeitgenössische Berichte dokumentieren die Schließungswelle und die schwache Ertragslage der damaligen Ostsee-Spielbanken.
Seit 2018 läuft in Mecklenburg-Vorpommern ein Neustart unter neuen Vorzeichen. Die Spielbank Stralsund wurde als modernes Automatencasino wiedereröffnet und das Unternehmen plante und eröffnete weitere Standorte in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg.
Für Gäste von Rügen ist Stralsund damit das nächstgelegene Angebot, nämlich mit Land-Slotfloor statt klassischem Kursaal.
Ein Blick nach Warnemünde illustriert die Brüche der jüngeren Geschichte. Die Spielbank im Kurhaus Warnemünde, ein Küstensymbol der 1920er Jahre, eröffnete 1998 und wurde 2013 geschlossen. Das Kurhaus blieb als Veranstaltungsort erhalten, der Spielbetrieb hingegen endete im Zuge der landesweiten Konsolidierung.
Historisch regelten die Bundesländer Spielbanken stets in eigener Hoheit. Für Online-Glücksspiel galt lange ein Flickenteppich, den Schleswig-Holstein als einziges Land 2011/2012 mit einem „Sonderweg“ zeitweise legalisierte.
Erst der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021), seit dem 1. Juli 2021 in Kraft, schuf einen bundeseinheitlichen Rahmen für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und, unter Länderkonzession, auch Online-Casinospiele.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) setzt diesen Rahmen um, prüft Anbieter, erteilt Erlaubnisse und überwacht Werbung, Spielerschutz und die Bekämpfung illegaler Angebote.
Eine zentrale Säule ist OASIS, das bundesweite Spielersperrsystem. Selbst- und Fremdsperren, Panikbutton-Sperren und verbindliche Abgleiche bei Einlass bzw. Anmeldung sollen riskantes Spielverhalten begrenzen ,verpflichtend sowohl für Online-Angebote als auch für herkömmliche Spielbanken.
Für Ostsee-Häuser bedeutet das identische Standards wie im Binnenland. Der Einlass wird erst nach Ausweis-Check und Sperrdatei-Abgleich gewährt.
In Schleswig-Holstein prägen Lübeck, Kiel und Flensburg die aktuelle Küstenlandschaft. Modernisierte Häuser, eine Mischung aus großem Spiel, Pokerformaten und vielfältigen Automaten, dazu Bar- und Event-Konzepte bieten ein städtisches Freizeitangebot mit Ostsee-Flair.
Travemünde bleibt als Legende präsent, historisch verortet zwischen Kursaal-Tradition und der Verlagerung des Betriebs nach Lübeck im Jahr 2012.
Auf Rügen ist die Situation nüchterner. Binz schrieb mit der Eröffnung 2006 ein Kapitel Inselgeschichte, doch der Standort existiert heute nicht mehr.
Wer im Urlaub eine Spielbank besuchen möchte, weicht aus, und zwar ins Slotcasino nach Stralsund oder, mit längerer Anfahrt, in Richtung Rostock beziehungsweise in die schleswig-holsteinischen Häuser.
Alternativ lohnt sich auch der Besuch im Online Casino.
Warum verlaufen die Linien so unterschiedlich? Drei Faktoren sind an dieser Stelle besonders prägend:
Erstens wäre da die Saisonalität der Ostsee. Kurorte leben seit jeher von schwankenden Besucherströmen. Ein Haus wie Travemünde konnte seinen Nimbus aus der wilhelminischen Seebadkultur in die Nachkriegszeit tragen, litt aber im 21. Jahrhundert unter Strukturwandel und der Konkurrenz urbaner Freizeitwelten. Der Umzug nach Lübeck war ein nüchterner Schnitt.
Zweitens ist da die die Konkurrenz und Regulierung in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ostsee-Spielbanken setzten früh auf mehrere kleine Standorte. In der Realität erwiesen sich diese Filialen als ertragsschwach und 2013/2014 folgte der Kahlschlag.
Der spätere Neustart als Automatencasinos reduziert Fixkosten, vereinfacht Personalplanung und passt zu einer Kundschaft, die eher spontane Abendunterhaltung als klassische Kur-Repräsentation sucht.
Drittens gilt auch die bundesweite Neuregulierung seit 2021. Mit der Legalisierung und Kanalisierung des Online-Segments ringen herkömmliche Häuser um Profil. Schleswig-Holstein zeigt, dass dies funktionieren kann, wenn Standorte urban verankert sind, wie in Kiel und Lübeck, und ein klares Erlebnis-Versprechen bieten.
Rechtlich gilt natürlich auch heute, dass der Zutritt erst ab 18 Jahren, mit Ausweiskontrolle und OASIS-Abgleich gewährt wird. Alle seriösen Häuser kommunizieren diesen Spielerschutz sichtbar.